Samstag, 4. Mai 2013

Mittwoch, 1. Mai 2013: Ich wachte um sechs Uhr auf und war ganz froh, dass ich noch liegen bleiben konnte. Hatte fast nicht geschlafen die Nacht. Vor Aufregung und Husten. Das zehrte schon an den Nerven mit dieser Husterei. Ich futterte Hustenbonbons wie Candys, wie schon Dave fest gestellt hatte. Aber es half nicht wirklich. Die sind nicht stark genug. Vielleicht würde ja Blairs Hustensirup helfen… Stand gegen acht Uhr auf und saß noch eine Weile oben im Wohnzimmer mit Tom und Blair bis ich mich auf den Weg nach draußen machte. Hatte noch schnell eine Tasse Kaffee getrunken und dann saß ich im Van und wartete, ob Malcolm kommen würde. 

Ein herrlicher Frühlingsmorgen
Musste bald los. Blair kam raus und meinte, dass ich ruhig los fahren könnte. Ok, ich machte mich auf den Weg, da ich nicht zu spät kommen wollte. Ich hasse zu spät kommen! Die Sonne schien und ich hatte mein neues Spielzeug in Gebrauch, so dass ich meine Musik in voller Lautstärke hören konnte. Ach, was war das herrlich. Nur schade, dass Malcolm nicht gekommen war, aber er hatte schon gestern gesagt, dass er nicht wusste, ob er es schaffen würde. Wir würden ihn später noch mal anrufen. 

Die letzte Fahrt...?
Fuhr zunächst zu dem Parkplatz, u sicher zu sein, dass ich es auch finden würde. Dann machte ich mich auf den Weg zur CIBC Bank, um das Geld für den Jeep abzuholen. Es war noch früh, so dass ich leicht einen Parkplatz bekam und auch schnell in der Bank an die Reihe kam. Es war so herrliches Wetter, dass es ein Genuss war in der Sonne einen kleinen Spaziergang zu machen. Und wenn es nur zum Auto war. Fuhr nun runter zum Parkplatz und wartete auf Jim, der nach ungefähr zehn Minuten mit dem Jeep kam. Er hatte schon alle Transferunterlagen fertig ausgefüllt und ich hatte das Geld, so dass nur noch die Frage war, wie wir den Jeep nun nach Squilax bekommen würden. Konnte mich ja nicht zerteilen und zwei Autos fahren. Er fragte, ob man in Chase die Versicherungsangelegenheiten regeln könnte. Denn dann würde er seinen Freund Ron fragen, ob er uns folgen könnte, um ihn später wieder nach Salmon Arm zu bringen. Ja super, die Idee hätte von mir sein können. Ich wartete also, während er schnell zu seinem Freund fuhr und sie dann mit zwei Autos hinter mir auftauchten. Wir fuhren nun in Kolonne zurück zum Hostel, wo wir den Jeep und en Van parkten und fuhren dann mit Ron nach Chase, wo Jim und ich die Transfer- und Versicherungssachen fertig machten. Wir hatten nicht gerade eine Glücksgriff mit unserer Bearbeiterin gemacht. Sie verstand ihr Handwerk nicht sonderlich gut. Es war wieder etwas kompliziert, da ich keinen kanadischen Führerschein besaß und auch eigentlich nicht wirklich einen Heimatadresse angeben konnte. Ich meinte, dass es vielleicht das einfachste wäre, wenn sie die Angaben von der letzten Versicherung mit dem Van übernehmen würde, da ich da ja schon mal alles durchgekaut hatte und sie in der Versicherungsfiliale in Kamloops einen Weg gefunden hatten, dass es alles legal und rechtens wäre. Warum also das Rad neu erfinden. Die Dame, die mich ein paar Tage zuvor mit der Wiederversicherung meines Van bedient hatte, erkannte mich wieder und kam zur Hilfe. Gott sei Dank! War also alles nur halb so schlimm, dauerte aber eine halbe Ewigkeit. Jim meinte, sein Freund Ron wäre hier schon lange ausgeflippt. Wir nahmen es aber mit Humor. Was sollte man auch sonst machen. Sie war stets bemüht. Nun war endlich alles in trockenen Tüchern. Der Jeep war meiner! Jippieh! Nun sollte Jim noch sein Geld bekommen. Zurück am Hostel kam es also zur Geldübergabe und wir waren fertig. 

 

Die beiden fuhren los und ich war stolzer Besitzer von… einem Van und einem Jeep. Oh, Malcolm! Gleich mal Blair fragen, was da geht. Sie versuchte weiter ihn zu erreichen. In der Zwischenzeit vertrieb ich mir den Nachmittag mit verschiedenen Arbeiten. Ich hatte die Dusche zu reparieren, die Cabooses zu reinigen, Möbel zu schleppen… So eine kleine Auswahl an den Arbeiten, die ich zu erledigen hatte. Bevor ich damit aber anfing, durfte ich mir ein paar Käsemaccaroni kochen. Hatte heute um ein Uhr nur schnell einen Muffin rein gestopft und sonst noch nichts gegessen. Ich war für Blairs Angebot sehr dankbar, dass ich mich im Laden bedienen und mir was warm machen durfte. Ich war so hungrig. Danach ging´s an die Arbeit. Tisch vom Laden in die Unit 76, einen Lagerschuppen am anderen Ende des Geländes, tragen. Als ich gerade den Tisch vor die Tür der Unit 76 geschleppt hatte, kam Malcolm. Oh, was für eine Freude. Ein sehr netter alter Herr, der wirklich sehr symphatisch war. Konnte mir beim besten Willen nicht vorstellen, was er mit dem alten Van wollte. Hatte eigentlich jemand jüngeren erwartet… Er hatte John als Berater mit. Ich holte meine Schlüssel und wir gingen zum Van. Ich hielt mit nichts hinter dem Berg. Ich sagte ganz klar, dass der Motor traumhaft lief, aber der Rest nicht funktionierte. Und dass er aussah, wie er eben aussah. Ich schmiss die Maschine an und die beiden Herren waren offensichtlich beeindruckt. Es schien, mehr wollten sie gar nicht sehen. Malcolm sah sich noch innen um und war ganz zufrieden. Nun kamen wir zum geschäftlichen. Er fragte, ob ich den Van nicht noch inserieren wollte oder auf andere Angebote warten wollte. Ich meinte, dass ich überglücklich wäre, wenn er ihn nehmen würde und ich ihn nicht zum Autofriedhof bringen müsste. Also, den Van, meine ich. Ich hätte keine Zeit mehr, da ich morgen los wollte, eigentlich ja schon heute. Ok, was ich denn haben wollte für den Kleinen. Ich meinte, dass letztendlich nur zählte, dass er in gute Hände kam und ich nur das Geld zurück haben wollte, dass ich für den Ölwechsel und die Batterie investiert hatte… Was hieß das denn nun?! Jaaaa, 150$?! Er zerknitterte das Gesicht. Oh Mist, zu viel. Er wollte nicht so viel ausgeben. Er sagte aber, dass ich doch wohl nicht nur das haben wollte. Nicht allen Ernstes. Und John´s Gesicht war auch schon deutlich aufgehellt. Ok, deutliches Zeichen, dass es ok und sogar zu wenig war. Egal, ich hatte das mit mir selber vorher ausgemacht  und somit war es gut. Ich wollte kein Geschäft draus machen… Auch wenn es vielleicht dumm war. So, Malcolm klopfte mit seiner Hand auf seine Hosentasche und meinte, dass sein Großvater es immer so gehandhabt hätte, dass er bei einem Kauf eine bestimmte Menge Bargeld in der Hosentasche gehabt hätte und dann den Leuten angeboten hatte, das zu bezahlen, was er in der Tasche bei sich trug… Die Taktik kam mir doch sehr bekannt vor. Ich fragte Malcolm, was er denn nun an Geld in der Tasche hätte. Er zog ein Bündel Zwanziger heraus und meinte, dass er heute 200$ bei der Bank geholt hätte. Er hatte nicht genau gewusst warum, aber nun hatte er die Antwort. Wir lachten alle und ich war super glücklich und mehr als zufrieden. Er schien ein wenig ein schlechtes Gewissen zu haben und wollte mich damit eigentlich nicht gehen lassen. Aber ich versicherte ihm, dass das wirklich ok wäre und er war sichtlich happy, den Van so günstig erstanden zu haben. Und ich war froh, dass mein Van noch ein gutes Zuhause bekommen hatte. Ich hatte extra noch nicht die Nummernschilder abgebaut, so dass Malcolm es sich nicht nehmen liess, den Van eigenhändig nach Hause zu fahren. John folgte mit dem anderen Wagen. Und ich stand am Wegesrand und sah meinem Van hinterher und genoss ein letztes Mal den fetten Sound des Achtzylinders. Hach, ich musste doch eine Träne verdrücken. Das war nun so schnell gegangen. Wech war er, der Kleene. Aber ich mochte Malcolm und ich wusste, dass er den Van noch geniessen würde. Wie auch immer. Ich ging die Auffahrt runter und freute mich nun über meinen neuen Jeep. 

Samson wacht über alles
Malcolm wollte am späteren Abend meine Nummernschilder vorbei bringen und ich würde jetzt alle Papiere fertig machen, damit er sie dann in Empfang nehmen könnte. Da Blair nun nichts mehr weiter zu arbeiten hatte, genehmigte ich mir eine schöne Dusche und dann setzte ich mich mal wieder an den Mac, um meine Erlebnisse nieder zu schreiben. Hatte während der Fahrt mit Elisabeth und David nicht viel Zeit gehabt und es gab eine Menge nachzuarbeiten. Tom haute uns eine Pizza in den Ofen und es war noch ein wenig Salat übrig. Für all die Arbeit, die ich heute erledigt hatte, war das fast zu wenig. Ich aß noch einen trockenen English Muffin hinterher. Dann machte ich den Abwasch und widmete mich wieder meinen Schreibarbeiten. Dazu hörte ich Musik. Tom und Blair und ein paar Gäste guckten wieder Hockey. Ich denke, ein Hockeyspiel live wäre super zu sehen, aber im TV war es irgendwie nicht so fesselnd… Vielleicht sollte ich mal konzentriert zuschauen. Hatten jedenfalls öfter nette Kämpfe. Gegen halb zehn verabschiedete ich mich in mein Zimmer. Packte schon mal alles zusammen, da ich morgen nach dem Frühstück los wollte. Wohin? Keine Ahnung. Wohin mich der Wind treiben würde. War schon etwas aufgeregt. 
Dienstag, 30. April 2013: Stand gegen sieben Uhr auf, was mir aufgrund des Zeitunterschieds zu Yellowknife nicht schwer fiel. Da war es ja schon eine Stunde später. Ich war etwas früher unterwegs, da ich noch im Einkaufszentrum den Laundromat auschecken wollte, den ich gestern nicht gefunden hatte. Er öffnete aber erst um neun Uhr, so dass mein Plan schon mal meine Decken in die Wäsche stopfen und waschen zu können, während der Van in der Werkstatt war, ins Wasser fiel. Fuhr noch eine kleine Ehrenrunde durch Chase und parkte dann vor der Werkstatt und wartete, dass sie öffneten. Ließ den Motor laufen, damit die Batterie noch etwas geladen wurde. Als so langsam einer nach dem anderen eintraf, erwachte die Werkstatt endlich zum Leben und mein Van wurde rein gefahren. Ich ging auf ein kleines Frühstück in die hiesige Bäckerei. Ja wirklich, sie haben eine richtige Bäckerei hier und die Sachen schmecken sogar. Da saß ich nun, aß meinen Zimtzopf und trank meinen Kaffee, während die Sonne herrlich in den Laden schien. Die Luft war aber noch richtig frisch. Ich fragte mich, ob ich wirklich im Van schlafen würde, wenn ich mich wieder auf die Socken machte… Würde ich dann schon raus finden. Ging gegen neun Uhr wieder zur Werkstatt, wo mich der Mechaniker fragte, ob es einen Trick gäbe den Van zu starten… Nein, wieso?! Der würde keinen Mucks tun, wenn man den Zündschlüssel drehte. Aha, so was. Hatte heute Morgen noch einwandfrei funktioniert. Sie überbrückten und er sprang an. Sie meinten, dass die Starterbatterie viel zu klein für den großen Motor wäre. Hm, dann blieb mir ja wohl nichts anderes übrig als die Batterie zu tauschen, nicht wahr? Ich bekam eine gebrauchte Batterie in angemessener Größe und dann sollte ich keine Probleme mehr haben. Kostete mich alles zusammen 135$. Noch zu überleben. Fuhr dann zurück ins Hostel, da ich mit Blair und Margret, Blairs Mutter, zum Shoppen nach Salmon Arm fahren wollte. Naja, shoppen, ich hatte einiges mit der Versicherung und Bank zu regeln und die beiden hatten auch einiges auf der Liste. Gegen halb elf kam Margret mit ihrem gelben Hummer auf den Hof gefahren und wir luden alles mögliche für den Thrift Store ein. Das ist so Blairs Hobby, glaube ich. Sachen im Thrift Store kaufen und Sachen wieder zurück bringen. Ein steter Wechsel, ein Kommen und Gehen von allem möglichem Klimbim. Als erstes stand der Farmers Market auf dem Zettel, wo die beiden hausgebackenen Kuchen kauften. Dann war es schon Mittag und somit Lunch Time. Wir fuhren in ein kleines, gemütliches Café, wo ich eine Suppe und einen Mocca bestellte. Die beiden hatten Suppe mit Sandwiches, aber ich war eh nicht hungrig. Denn bevor wir nach Salmon Arm gefahren waren, waren wir noch kurz in Chase gewesen (das zweite Mal für mich an diesem Morgen), wo Margret jedem von uns eine Art Lebkuchen vom Bäcker besorgt hatte, während Blair einige Banksachen zu erledigen hatte. Während die beiden noch ihr Dessert verspeisten, auf das ich verzichtete… - Ja, ich weiß, vielleicht bin ich ja krank, aber ich wollte kein Dessert - ging ich schon mal zur Bank und anschließend zur Versicherung, wo ich meine Unterlagen abgab, damit ich etwas Geld zurück bekam. Schließlich bin ich ja schon ein paar Jahre unfallfrei unterwegs und dann bezahlt man weniger Versicherung hier in Kanada. In der Bank war eine lange Schlange, so dass ich einige Zeit brauchte bis ich wieder zum Hummer zurück kehrte, wo die beiden schon auf mich warteten. Jetzt ging es zu Canadian Tire (was sonst?), wo Blair irgendwas besorgen wollte und ich neue Überbrückungskabel und noch ein wenig Spielkram besorgen wollte. Spielkram für mein Phone, damit ich meine Musik über Radio hören kann, wenn ich wieder auf einsamen, radiosenderlosen Straßen unterwegs sein würde. Als wir so dahin fuhren, passierten wir einen Jeep Cherokee, der da so auf dem Parkplatz stand und riesige FOR SALE Schilder im Fenster hatte… Hmmm. Warum nicht?! Blair fuhr auf den Parkplatz, damit ich die Telefonnummer aufschreiben konnte und wir fuhren weiter zu Canadian Tire. Blair fragte, ob ich da anrufen wollte und gab mir ihr Handy. Und tatsächlich, ich konnte mich mit dem Verkäufer in 15 Minuten unten am Jeep treffen, um einen näheren Blick drauf werfen zu können. Ich hatte dann schnell mein Spielzeug im Einkaufskorb und auf die Kabel verzichtete ich, da ich das Gefühl hatte, dass ich die jetzt nicht mehr brauchen würde. Margret wartete schon im Auto und ich folgte ihr. Nun saßen wir beide hier und ich wurde langsam nervös, da die Minuten so dahinflossen. Ich hatte doch einen Termin! Wo blieb Blair denn nun?! Nach einer gefühlten Ewigkeit tauchte auch sie an der Ausgangstür auf und wir konnten los fahren. Der Verkäufer, Jim, wartete schon. Der Wagen und der Besitzer machten einen nicht allzu schlechten Eindruck. Er schien ein ehrlicher Mann zu sein. Was würde nun aus meinem Van werden? Blair hatte gesagt, dass sie einen Interessenten hatte. Den musste ich jetzt erstmal kontaktieren. Zwei Autos konnte ich ja schlecht fahren. Ich verblieb mit Jim, dass ich heute Abend oder morgen Früh anrufen würde, da ich jetzt erstmal die Sache mit meinem Van geregelt bekommen musste, ich aber sehr an dem Jeep interessiert war. Er klopfte mir zum Abschied auf die Schulter und meinte "Take care". Das bedeutete für mich, dass er keineswegs dachte, dass ich es ernst meinte. Na, der würde sich schon noch wundern. Für mich war in dem Moment klar, dass ich den Wagen kaufen würde. Egal, was ich mit dem Van machen würde. Und wenn ich ihn behalten müsste. Aber für eine Fahrt über Gravelroad war der Jeep nun mal weitaus besser geeignet. Und der Motor konnte sich auch sehen lassen, 4.0 Liter Sechszylinder. Wie auf Kohlen fuhr ich mit Blair und Margret zurück zum Hostel und konnte es kaum erwarten, dass Blair Malcolm, den Interessenten für meinen Van, anrufen würde. Ich erledigte noch einige Arbeiten und Blair versuchte mehrmals Malcolm zu erreichen. Ich hielt es nicht mehr aus. Um halb acht abends rief ich dann Jim an und teilte ihm mit, dass ich den Jeep kaufen würde. Er hatte mir heute einen guten Deal angeboten und es wäre fast dumm, das auszuschlagen. Wir verabredeten uns für morgen früh um zehn Uhr in Salmon Arm. Jippieh! Wie sollte ich nur schlafen können heute?! Dann kriegte Blair auch endlich Malcolm an die Strippe und sagte, dass er gleich morgen früh um neun Uhr den Van anschauen könnte, da ich anschließend mit dem Van nach Salmon Arm müsste. Er wollte versuchen zu kommen. Das wäre ja einfach traumhaft, wenn ich den Van tatsächlich verkauft bekommen würde und ihn nicht auf den Autofriedhof fahren müsste, was mir das Herz gebrochen hätte. Ich liebte diesen Van, wenn er auch noch so zerdellt und verhunzt war. Blair und Tom schauten mit ein paar Hostelgästen Hockey und ich verabschiedete mich ins Bett. Vorher nahm ich noch einen chinesischen Hustensaft, den mir Blair gegeben hatte. Der Geschmack war gar nicht so doof, aber die Konsistenz mochte ich gar nicht. Fester als Honig und super klebrig. Aber wenn´s schee macht!  

Montag, 29. April 2013: Wachte gegen sechs Uhr auf, blieb aber noch eine Weile liegen und döste vor mich hin. Gegen acht Uhr stand ich aber auf und ging nach oben in die Küche, wo ich auf Blair traf. Sie sagte, dass da noch Kaffee für  mich wäre und dass ich mir Toast und Marmelade nehmen könnte. Am Vormittag kam eine Schulklasse, die einen der Trails auf Vordermann bringen sollten. War wohl ein Schulprojekt. Als kleine Stärkung bekamen sie Fairy Toast serviert. Kam wohl ungemein gut an. 

Süße Stärkung - aber nicht für mich
Dann fuhr ich mit Blair nach Chase, wo ich meine Versicherung für den Van klar machen konnte. Sie hatte eh einiges zu erledigen, so dass es kein Problem für sie war nach Chase rein zu fahren. Ging alles relativ fix bei der Versicherung und sie waren sogar super nett und hilfsbereit. Mit neuen Aufklebern bestückt ging ich zurück zum Auto. Vorher besorgte ich aber noch beim Bäcker Dessert für heute Abend. Wenn ich schon jeden Abend zum Essen eingeladen war, dann wollte ich doch wenigstens für den Nachtisch sorgen. Blair meinte, dass das nun wirklich nicht nötig wäre, aber ich bestand darauf. Das beruhigte mein Gewissen.

 

Bevor wir zum Hostel zurück kehrten, wo ich einige Arbeiten übernahm, wie Stockbett reparieren, Wände von Heizungsdunst reinigen, Cabooses säubern, usw. stoppten wir noch kurz bei einer Werkstatt, damit ich einen Termin für den nächsten Morgen zum Ölwechsel ausmachen konnte. Das hatte sich mein Vanni doch verdient, fand ich. Und wenn wir wieder gemeinsam die Road hitten wollten, dann musste schließlich alles gut geschmiert sein. Der Tag verging dann mit besagten Arbeiten im Hostel und mit weiteren Aufräum- und Reinigungsarbeiten an meinem Van. So langsam sah er wieder annehmbar aus. Der Winter hatte ihm wirklich böse zugesetzt. Abends gab es Crabcakes mit Spargel und gerösteten Paprika. War super lecker. Anschließend schauten wir alle zusammen noch einen Film ("The Descendants") und dann verabschiedete ich mich in mein Bett. Hatte morgen früh ja meinen Ölwechseltermin… Um acht Uhr. 
In Salmon Arm wachte ich erst wieder auf. Es war schon hell draußen. Kam dann also am Sonntag, den 28. April 2013, früh morgens um 6 Uhr in Chase an. Während der Bus die Haltestation von der einen Seite ansteuerte, sah ich Blair mit ihrem kleinen schwarzen Nissan schon von der anderen Seite auf die Busstation zufahren. Das war Timing! Aus dem Bus gehüpft, Blair begrüßt, Backpack geschnappt und ab ging´s ins Hostel, wo wir uns erstmal wieder in die Betten verabschiedeten. Ich war dankbar nach 15 Stunden Busfahrt die Beine ausstrecken zu können und in die Horizontale zu kommen. Da die Sonne schien und es hier schon echt Frühling war, so ohne Schnee und so, konnte ich nicht mehr wirklich schlafen. Ich hörte Musik und döste ein wenig vor mich hin bis ich gegen halb zehn aufstand. Ich hatte kurz vorher auch Blair und Tom oben rumlaufen hören, also waren sie auch auf. Als ich nach oben ging, war alles leer. Ich ging nach draußen, um die Sonne zu geniessen und mich umzusehen, was sich in den letzten sechs Monaten so verändert hatte. Das Auto war weg, also waren sie unterwegs. 

Schon richtig Frühling

Ich ging runter zum Steg und es war einfach nur idyllisch. Samson begleitete mich und hoffte wohl, dass ich ein Bad nehmen oder mit dem Kanu rauspaddeln würde, aber da musste ich ihn enttäuschen. So warm war es nun doch noch nicht. 


Ich genoss die Aussicht, die Ruhe (wenn man vom Verkehr und dem Zug absieht) und schlenderte einfach übers Gelände und erinnerte mich an meine letzten Besuche hier und als ich im Sommer hier gearbeitet hatte. 


Als ich zum Haus zurück kam, traf ich auf Tom, der mir mitteilte das Blair zu einem Community Walk aufgebrochen war und dass ich mir zum Frühstück English Muffins und Kaffee nehmen konnte. Da war es wieder, das Verwöhnprogramm. Ich bin aber auch wirklich a spoiled girl! Da ich seit zwei Tagen nicht mehr so richtig gegessen hatte, fand ich es eine gute Idee etwas zu frühstücken. Dann fragte ich nach dem Schlüssel für meinen Van und nach einigem Suchen wurde Tom fündig. Ich ging voller Spannung und Vorfreude zu meinem Van. 

Noch da...

Was würde mich erwarten? Ich hatte eine leicht Vorahnung, hoffte aber, dass es nicht so sein würde… Aber leider wurden meine Erwartungen in diesem Falle voll erfüllt. Es fehlte nur noch der Champignon…! 

 

Alles voller Schimmel in jeder erdenklichen Farbe und das Wasser stand in der Windschutzscheibe und auf den Trittbrettern… Oh, meine Güte! Das war einfach nur eklig! Aber ich hatte damit gerechnet… 

 

Nun den Motor starten. Ich war gespannt, drehte den Zündschlüssel und…. Nichts. Tot. Puh, das war doch nicht wahr. Aber irgendwie leider auch verständlich. Ich kramte schon mal meine Überbrückungskabel raus und wartete, dass Tom Blair abholen fahren würde, so dass ich vielleicht kurz ein paar Ampere abzapfen konnte. Nahm erstmal die Plane ab, die eh nicht viel gebracht hatte und räumte den gesamten Van aus und schmiss einen Großteil der Sachen, die ich im Van gelagert hatte in den Müll, da sie völlig unbrauchbar geworden waren. 



War aber irgendwie auch ein erleichterndes Gefühl, etwas weg schmeißen. Hach, tut doch immer wieder gut. So, weiter im Text. Ich wartete also bis Tom und Blair zurück kamen, da ich nicht schnell genug gewesen war, als Tom los gefahren war. 


Da ich erstmal soweit fertig war, setzte ich mich an den Rand der Auffahrt und beobachtete einen Specht. Samson kam dazu und leistete mir Gesellschaft. Das war so süß. Wir saßen dann da bis Blair Zeit hatte sich meiner anzunehmen. 

Gucken beide ein wenig doof aus der Wäsche...
Blair startete ihren Ford Truck zum Überbrücken… Naja, wahrscheinlich wäre der kleine Nissan eh zu schwach gewesen, um den 5.8 Liter Achtzylinder anzuschmeißen. Wahrscheinlich wäre dessen Batterie mit einem Schluck leer gewesen. Haha! So, wie war das jetzt noch? Ich hatte eine Starterbatterie und eine Auxiliary Batterie… Welche war nun welche? Ich entschied, dass für den großen Motor ganz offensichtlich die größere der beiden Batterien die Starterbatterie sein musste. Kabel angebracht, Zündschlüssel gedreht… Tot. Nichts. Ok, konnte es mir nicht vorstellen, aber dann halt die Kabel an die kleine Batterie geklemmt. Neuer Versuch. Oh, die Kontrollleuchten funktionieren! Also, Batterie gefunden. Einige Startversuche ohne Erfolg. Was war nun das Problem? Die Starterkabel wurden schon warm… Blair meinte, dass wir die Batterie einen Moment laden konnten. Sie wollte eine kurze Dusche nehmen und ich sollte den Fuss auf dem Gas des Trucks lassen, damit er nicht abstarb. Die Batterie meines Van schien etwas zu saugen. Als sie wieder da war, versuchte ich es erneut, aber wir bekamen den Motor nicht gedreht… Blair hatte die glorreiche Idee ihre Kabel zu probieren. Sie waren doppelt so dick wie meine. Und es funktionierte! Wieder etwas gelernt, großer Motor, dicke Starterkabel notwendig! Motor lief, Van war ausgeräumt, nun konnte ich mit dem Säubern und Putzen loslegen. Kostete mich den ganzen Nachmittag, aber anschließend konnte sich der Van wieder sehen lassen. 

Sieht doch wieder annehmbar aus
Das Interieur hatte ordentlich gelitten, die Sitze zerfielen langsam in ihre Einzelteile, sämtliche Metallteile waren verrostet und überall hing der Schimmel. In jeder Ritze. Armer, kleiner Van. Aber er lief! Ich liebe diesen Van, so was von zuverlässig. Un nun? Verkaufen? Behalten und noch mal geniessen? Ich entschied mich ihn erstmal wieder gängig zu machen und dann los zu fahren. Irgendwohin. Einfach fahren. Morgen würde ich ihn anmelden. Gegen abends räumte ich alles noch übrig gebliebene Equipment wieder in den Van und ging zum Abendessen ins Haus. Ich war eingeladen Tom und Blair Gesellschaft zu leisten. Es gab Pasta, Salat und Knobibrot. Anschließend verabschiedete ich mich ins Bett. Die Busfahrt hing mir noch etwas in den Knochen und das Säubern des Van war auch nicht ohne gewesen. Besonders, da mir das Atmen mit dem Husten etwas schwer fiel. Ich fiel bald in eine unruhigen Schlaf. 
Samstag, 27. April 2013: Gegen halb acht standen wir alle auf. Ich kam noch mit den Beiden zu Tim Horton´s, wo wir ein kleines Frühstück einnahmen. Hatte eigentlich gar keinen Hunger, aber wer wusste, wann ich das nächste Mal wieder was zwischen die Zähne bekommen würde. Netterweise lud mich Dave ein. Dann fuhren Elisabeth und David los, um Zorro abzuholen und starteten gen Norden. 

Da fahren ´se davon
Ich wartete, dass die Greyhound Station öffnen würde und ich mein Ticket nach Chase, B.C. besorgen könnte. Ich fragte an der Rezeption des Hotels, ob ich etwas später auschecken könnte und ob sie eine Gäste Laundry hätten. Ja, ich könnte bis ein Uhr bleiben und ja, sie hatten eine Gäste Laundry. Das erhellte doch meine Laune erheblich. Während also meine Wäsche lief, ging ich selber noch unter eine herrlich heiße Dusche. Dann relaxte ich bis kurz vor eins und sammelte meine Klamotten ein. Dann saß ich noch zwei Stunden in der Lobby, da ich ja nicht mehr im Zimmer sein durfte, aber auch nicht vor der Greyhoundstation sitzen wollte. 

In der Lobby
Gegen vier Uhr machte ich mich auf den Weg zur Greyhoundstation, wo ich dann in der Sonne saß und auf den Bus wartete. Man muss nicht lange warten bis man Angebote für einen Ride bekommt, die ich aber freundlich ablehnte, da ich ja nun wirklich auf den Bus wartete. Außerdem bezweifelte ich, dass einer der Leute bis Chase fahren würde… 

Warten auf den Bus
Ich kaufte mir noch ein wenig Wegzehrung, obwohl ich überhaupt nicht hungrig war und wanderte dann auf und ab bis der Bus mit etwas Verspätung endlich eintraf. Es war einer der neuesten Greyhound Busse mit WiFi und Ledersitzen. Das WiFi arbeitet aber sehr unzuverlässig, so dass ich es nach einem misslungenen Versuch sein ließ. Es ging erstmal zurück nach Edmonton, wo ich auch gleich den nächsten Bus wechselte. Ich wollte es dem Busfahrer etwas einfacher machen und riss schon mal das Ticket für diese Fahrt ab und übergab nur dieses dem Fahrer, der mich misstrauisch beäugte und nach meinem Beleg für das Ticket fragte. Ich meinte, dass ich ihm das natürlich zeigen konnte, aber warum?! Es war ein netter älterer Herr, der mich drauf hin aufklärte, dass man die Tickets immer zusammenhängend vorzeigen musste. Das wusste ich doch nicht, wollte ihm ja nur einen Gefallen tun. Der vorherige Busfahrer stand hinter dem älteren Herrn und wusste, dass ich nichts böse im Sinn hatte. Aber auch der ältere Busfahrer war sehr nett und meinte, dass wenn er ein Jerk wäre, er mich zurückschicken und ein neues Ticket kaufen lassen könnte. Ich fragte, ob er denn ein Jerk wäre und er antwortete schmunzelnd, dass er zumindest in der Laune wäre. Aber er ließ mich lächelnd passieren. Ich versprach, dass ich nie wieder versuchen würde, das Leben der Busfahrer einfacher zu machen. Nun ging es nach Calgary, wo ich abends gegen zehn Uhr ankam und in den nächsten Bus wechselte. Der nette Busfahrer hatte extra über Lautsprecher durchgegeben: "And the young Lady, who´s heading to the West, to Chase, has to go to Gate 10 and the Bus will leave at 10.45." Ist das nicht nett? Ich bedankte mich beim Aussteigen vielmals für die gute Fahrt und dass er mich trotz Fehlverhaltens mitgenommen hatte. Er lachte und wünschte mir eine gute Reise. Wartete also noch eine halbe Stunde bis es wieder zum Sicherheitscheck und in den Bus ging. Die Passagiere, die einen Anschlussbus nahmen durften als erste einsteigen. Wie praktisch. So hatte ich wieder freie Sitzplatzwahl. Hatte die ganze Zeit über zwei Sitze für mich, so dass ich wirklich ungestört war und ganz gut schlafen konnte. Trotz Hustenanfälle. Ich war jetzt auch echt müde. Schlief fast die ganze Fahrt über. Mit kleineren Unterbrechungen, damit ich die Stellung wechseln konnte. Irgendwann wusste ich schon nicht mehr, wie ich sitzen konnte. Alles tat irgendwie weh. 
Freitag, 26. April 2013: Shoppingtag! Oder Fortführung des vorangegangenen Shoppings. Gingen aber erstmal ins Hotelrestaurant und frühstückten. Dann luden wir mein Backpack in den Truck, da mich die beiden heute Abend ins Hostel fahren wollten und wir nicht noch mal hier her kommen würden. Wir setzten also unsere Shoppingtour, wie gesagt, fort. Als erstes stand "Winners" auf dem Programm, wo ich mich durch Dave´s schlechten Einfluss dazu hinreissen ließ neue Schuhe zu kaufen! Unglaublich, oder?! Er bearbeitete mich solange, bis ich tatsächlich auch glaubte neue Schuhe zu brauchen. Ich meinte, dass ich gar keinen Platz hätte für Schuhe, aber er sagte, dass ich schließlich nur ein Paar Schuhe hätte und das wirklich zu wenig wäre…. Ok, ich sag jetzt nix. Ich gönnte mir also Schuhe. Elisabeth hatte den Einkaufswagen voll mit Klamotten, die sie probieren wollte. So saßen Dave und ich auf der Wartebank bis sie all die Klamotten durch probiert hatte. Mindestens 25 Artikel! Aber es war ok. Ich fand´s lustig. Dann war es schon so spät, dass wir uns auf den Weg zum Reitstall machten, wo wir gestern Allegra abgesetzt hatten. Denn hier würde auch Elisabeth´s Pferd angeliefert werden. Das ist also ein Pferdeumschlagplatz hier! Sharon und Dennis wollten auch hier sein, um das neue Familienmitglied willkommen zu heißen. Anschließend wollten wir mit ihnen dann zum Lunch fahren. Als wir auf den Hof fuhren fanden wir gerade noch eine Parkplatz, in den uns Dennis gleich einwies. Es war Turnierwochenende hier und alles gestopft voll. Und Elisabeth´s Pferdchen, Zorro, wartete schon auf dem Hänger. Ein netter kleiner Rheinländermix. Ja, Rheinländer!

 

Sie brachte ihn in eine Gastbox und Dave und ich schauten uns im Rest des Stalls um und schauten eine Weile auf dem Abreiteplatz den Springreitern beim Aufwärmen zu. Dave war sehr interessiert und fragte etliche Sachen. Manchmal ist es schon erstaunlich, was Leute, die nichts von Pferden verstehen alles sehen und erkennen. Als Elisabeth sich von Zorro verabschiedet hatte, fuhren wir alle zurück nach Edmonton zum Mittagessen. Ich war noch gar nicht hungrig, so dass ich nur einen Salat aß. Teilte aber mit Dave ein paar Shrimps und probierte von Elisabeth frittierte Essiggurken… Klingt interessant, ist es auch. Aber essbar. Nach dem Essen gingen wir noch alle gemeinsam zu Costco, wo man große Mengen zu kleinen Preisen einkaufen konnte… Vielleicht wie bei uns Metro…? Verabschiedeten uns anschließend von Dennis und Sharon und machten uns auf den Weg in die Southgate Mall, wo die beiden noch Klamotten shoppen gehen wollten. Ich würde vielleicht meine Sonnenbrille repariert bekommen (hatte mal wieder eine der Muttern verloren) und ansonsten würde ich nur gucken. Als erstes mussten wir aber alle einen Kaffee, bzw. Mocca haben. Dann fand ich tatsächlich einen Optiker, wo ich meine Brille ablieferte und in einer Stunde wieder abholen konnte…! Dauert eigentlich fünf Minuten… Ok, wat soll´s. Und die Beiden shoppten! Dave hatte zwischenzeitlich schon Sorgen, dass ich mich zu Tode langweilen würde. Aber ich konnte damit gut leben, dass ich anderen Leuten beim Geld ausgeben zusehen konnte. Ich trug für Dave sogar manchmal die Tüten, damit er in Ruhe Klamotten durchschauen konnte. Der Höhepunkt seiner Einkaufstour war wohl der Sonnenbrillenladen. Ja wirklich, ein Laden nur für Sonnenbrillen. Und sie schwatzten ihm zu seiner schon über 200$ teuren Sonnenbrille dann noch eine Zweite auf… Ich versuchte ihn zu retten, aber er hörte nicht auf mich. Später meinte er, dass es wohl doch etwas dumm war zwei Sonnenbrillen gekauft zu haben. Tja, wer nicht hören will. Wir ärgerten ihn noch eine ganze Weile damit und wahrscheinlich wird Elisabeth ihn den Rest seines Lebens damit aufziehen. Nun waren wir langsam alle fix und fertig und machten uns auf den Weg zum Truck. Ich holte noch meine Sonnenbrille ab, die ich für fünf Dollar habe reparieren lassen und dann fuhren wir Richtung Hostel, wo mich die Beiden absetzen wollten. Ich hatte entschieden ins "Go Backpackers" in Downtown Edmonton zu gehen, da es sehr nah an der Greyhoundstation gelegen war. So jedenfalls sagte das Internet. Wir fuhren und fuhren und suchten und es dauerte eine halbe Ewigkeit bis wir das Hostel tatsächlich gefunden hatten… Elisabeth war aber nicht wirklich sicher, ob sie mich hier raus lassen wollte und ich war es auch nicht…. Sie meinte, dass Dave mich doch hinein begleiten sollte, sie würde im Truck warten. Es saßen etliche zwielichtige Gestalten vor der Tür, die uns aber freundlich den Weg wiesen als wir nach dem Eingang fragten, der nicht leicht zu erkennen war. Um ins Hostel zu kommen musste man durch zwei abgeschlossene Türen, die erst nach Betätigung der Klingel geöffnet wurden. Dann standen wir am Tresen mit halbhohen Glaswänden und zwei Sicherheitsbeamten in schusssicheren Westen dahinter… Das war alles doch recht eigenartig. Es stellte sich heraus, dass es eigentlich kein Hostel war oder noch nicht oder nicht mehr. Ich kriegte das nicht so auf die Reihe. Und eigentlich konnte man nur eine Nacht bleiben und pro Übernachtung würde es 50$ kosten! Wie bitt?! Und dann die ganzen Knackis und Drogenabhängigen um einen herum?! Nein, danke! Ich fragte Dave, ob sie mich vielleicht dann doch ins HI Hostel nach Old Strathcona fahren konnten, da wusste ich wenigstens woran ich war. Für die beiden war das kein Problem und sie hätten mich sowieso nicht hier lassen wollen. Danke schön! Die nächste Überraschung ließ nicht lange auf sich warten. Das HI war ausgebucht für heute Nacht… ! Wie hätte es auch anders sein können. Sie hätten zwar noch ein Bett, aber das würden sie immer für Notfälle frei halten. Notfall hieß, wenn sie überbucht waren oder irgendeine Internetbuchung versaut hatten… Ja, danke für die Blumen, ich stand hier mit Geld in der Tasche und sie wollten es nicht. Sie könnten mir für morgen Nacht ein Bett reservieren, wenn ich wollte. Nein, das wollte ich dann nicht. Wo sollte ich denn heute Nacht schlafen? Auf der Parkbank? War ein wenig angepisst. Dave meinte, das wäre heute wohl nicht mein Tag. Nein, anscheinend nicht. Sie gaben mir noch zwei Adressen von billigen Hotels mit, aber die waren ausgebucht, wie wir nach einem kurzen Anruf feststellten. Und nu?! Elisabeth meinte, wenn ich nichts dagegen hätte, könnte ich ja wieder mit ihnen schlafen und dann morgen sehen wie ich zur Greyhoundstation kommen würde, da sie früh los wollten und mich nicht in die Stadt würden fahren können. Das war für mich völlig ok! Würde schon einen Weg finden. 

Alles auf die Ladefläche.... Und wo soll Dave´s Kram noch hin?

Und nun alles in den Anhänger umpacken
Da wir alle noch so gestopft voll waren vom Mittagessen fuhren wir nach einem kleinen Umweg über den Liquorstore, wo sich die Beiden mit Alkohol eindeckten (ist um die Hälfte günstiger als in Yellowknife!)  und anschließendem Umladen in den Horse Trailer ins Hotel und nicht mehr ins "Red Lobster", wo wir eigentlich hätten zu Abend essen wollen. 

Abendstimmung
Elisabeth und Dave gingen aber noch runter und wollten wenigstens eine Kleinigkeit zu sich nehmen. Mir war der Appetit vergangen und ich wollte einfach alles geregelt kriegen. Ich musste mein Backpack neu packen, da die Gewichtsverteilung momentan echt schlecht war und ich ja nicht wusste wie lange ich morgen evtl. das Ding würde schleppen müssen. Dann musste ich raus finden, wo die nächste Greyhoundstation war und musste ein Ticket besorgen. Und Blair schreiben, ob sie mich in Chase abholen könnte, wenn ich denn dann wüsste, welchen Bus ich nehmen musste. Oh, ich hasse so viele Unbekannte in einer Gleichung! Das Internet war sowieso wieder super langsam, so dass ich zwei Stunden versuchte eine Verbindung zu Greyhound aufzubauen und letztendlich konnte ich das Ticket nicht buchen. Warum auch immer. Und mein Husten wurde auch nicht besser. Ich wollte jetzt einfach nur noch schlafen. Zumindest hatte ich aber raus finden können, dass direkt um die Ecke hier in Leduc eine Greyhoundstation war, so dass ich nicht nach Edmonton würde rein fahren müssen. Das war eine Erleichterung. Die beiden anderen kamen auch irgendwann zurück und wir hauten uns alle in die Federn. Wieder mit Klimaanlage auf volle Pulle… Aber ich wollte mich ja nicht beschweren. Ohne die Beiden hätte ich auf der Straße schlafen können.  
Donnerstag, 25. April 2013: Stand mit einem fiesen Husten morgens gegen acht Uhr auf. Elisabeth, sowie Sharon und Dennis waren schon auf und tranken ihren Kaffee, bzw. Elisabeth war noch unter der Dusche. Dave schlief noch. Ich setzte mich zu Sharon und Dennis und ihrer kleinen Katze, die brav in ihrem Körbchen zwischen ihnen lag und trank meinen Frühstückskaffee. 

Dennis und Sharon mit Katze im Körbchen
Alles wartete mehr oder weniger auf Dave, damit wir bald mal los konnten und den Ofen einladen konnten. Er kam auch tatsächlich irgendwann schlaftrunken aus seinem Zimmer und musste erstmal mit einem Kaffee wach gemacht werden. Dann hieß es Hänger abkuppeln, alle in den Truck hüpfen und los fahren. War nur eine zehnminütige Fahrt zu unserem Ziel und der Ofen hing bereits am Frontlader eines Treckers, um ihn auf die Ladefläche des Trucks zu hieven. Nach zehn Minuten war auch das alles erledigt. 

Elch aus Propangasflasche
Nun zurück und erstmal frühstücken. Dennis ist hier im Haus die Frühstücksfee und er zauberte uns Spiegeleier, Würstchen und Toast. Das tat gut. Frisch gestärkt kuppelten wir den Hänger wieder an, luden unsere Sachen ein und noch einige Dinge mehr, die Dennis und Sharon für Elisabeth mitgaben… Der Trailer wurde voller und voller. 

Trailer beladen
Abschiedsfoto
War das ein Spaß. Wir verabschiedeten uns und verabredeten uns für morgen mittag zum Lunch in Edmonton. Nun ging es also wieder zurück nach Leduc, wo Elisabeth und David ein Hotelzimmer gebucht hatten und mich eingeladen hatten, es mit ihnen zu teilen. Das kam mir sehr recht. Am Hotel kuppelten wir erstmal den Hänger ab und besorgten ein Anhängerschloss. Man weiß ja nie. Dann fuhren wir nach Edmonton rein und starteten schon mal die große Shoppingtour, die die beiden auf der Liste hatten. 

Edmonton
Als erstes waren die Reitläden dran, was für mich auch sehr interessant war. Aber ich war froh, dass ich nichts kaufen musste. Das war ja alles so teuer! Eine Pikeur Reithose kostete über 300$!!! Ich mein, bei uns ist der Kram auch nicht billig, aber so viel?! In einem der Läden hatten sie eine Second Hand Abteilung, wo sie ganz tolle alte Sättel hatten. Vor allem Stübben. Da war schon der ein oder andere dabei, der mir gefallen hätte. Die mussten so aus den 70ern oder älter stammen. Es folgten noch Bootsläden, Heimwerkerladen, zwischendurch Starbucks zur Stärkung und dann ging es in die Innenstadt, wo wir endlich meinen Pakete los wurden. Ich will ja nicht sagen, was mich das gekostet hat. Zudem werde ich wohl noch vor meinen Paketen wieder zuhause sein, wenn es schlecht läuft… Darf gespannt sein. Dann gingen wir ins "Common", wo wir mit Dave´s Schwester und ihrem Verlobten zum Abendessen verabredet waren. Auch hier war das Essen vorzüglich. 

 

Wir hatten einen kurzweiligen Abend, aber ich war froh, als wir los gingen, denn mein Husten wurde nicht gerade besser. Es war noch früh, so dass wir entschieden ein Dessert bei Dairy Queen einzunehmen und anschließend bei Ikea noch ein paar Kleinigkeiten zu besorgen. Ikea war witzig, war genau wie bei uns zuhause. Und da die Namen der Artikel eh alle schwedisch sind, ist es ja egal. Und es ist genau derselbe Stil des Ladenaufbaus. Bis wir ins Hotel kamen, war es nun schon spät und ich hüpfte schnell unter die Dusche und ab ins Bett. Während die anderen Beiden noch TV schauten und sich unterhielten versuchte ich nicht hustenderweise einzuschlafen, was all meine Konzentration erforderte. Aber ich wollte die Beiden auf gar keinen Fall nerven, wenn sie mir schon anboten ihr Hotelzimmer zu teilen. Irgendwann fiel ich auch in einen unruhigen Schlaf und hoffte, dass es morgen etwas besser sein würde.