Donnerstag, 8. November 2012

3. November 2012: Sind heute früh aufgestanden. Während Gill rüber ins Restaurant zum Frühstücken ging, blieb ich im Motorhome. Machte einen kurzen Hausputz und aß eine Scheibe Toastbrot. Gill war kurz später wieder zurück und wir machten uns auf den Weg. Es fing wieder an zu regnen und was passierte natürlich? Jawohl, die Scheibenwischer fielen mal wieder aus. Das kann einem schon auf den Keks gehen. Sind aber bis Corner Brook gekommen, wo ich wusste, dass dort ein Canadian Tire zu finden sein würde, da wir da ja auf der Hinfahrt übernachtet hatten. Wir staunten allerdings nicht schlecht, als wir auf den Parkplatz der Mall kamen. Es war proppenvoll. Und da fiel mir ein, dass Samstag war. Trotz, dass hier in Kanada eigentlich alles sieben Tage die Woche und nicht selten 24 Stunden geöffnet hat, scheint der Samstag auch hier der beliebteste Einkaufstag zu sein. Fanden aber trotzdem einen Parkplatz und während Gill zu Canadian Tire ging, um Werkzeug zu kaufen, machte ich mich auf den Weg zum Walmart. Ich wollte endlich ein paar Äpfel kaufen. Allerdings hatte genau dieser Walmart hier keine Frischeabteilung. Na toll. Aus Frust kaufte ich einen großen Joghurt für immerhin nur zwei Dollar. Das ging noch. Die Äpfel wären wahrscheinlich teurer gewesen. Wir gingen dann erstmal zum Lunch. Und zwar zu Mc Donald´s zur Abwechslung… Ich hatte zwar gerade schon etwas Joghurt und eine Banane gegessen, aber bevor man sich schlagen lässt. Das war dann aber erstmal der letzte Big Mac für die nächste Zeit, denn ich hatte noch den Rest des Tages gut davon. Ich stellte fest, dass ich das Fast Food jetzt echt nicht mehr sehen konnte. Mir war einfach nur noch nach einer Scheibe Schwarzbrot mit Salami. Nachdem also alles repariert war, oder besser gesagt funktionstüchtig war, rangierte Gill das Fahrzeug irgendwie aus dieser überfüllten Mall. 





Lagen gut in der Zeit, so dass wir schon gegen halb sechs am Fähranleger in Port aux Basques ankamen. Bevor wir uns in unsere Lane einreihen konnten, kam noch ein Inspekteur ins Wohnmobil um zu prüfen, ob wir Kartoffeln transportieren würden…? Ja, auf Nachfrage erklärte uns der Herr, dass in Neufundland gerade eine Kartoffelkrankheit kursiert, die natürlich nicht aufs Festland geschleppt werden sollte. Verständlich. Wir waren nun mal wieder die ersten in der Reihe und hatten noch unglaublich viel Zeit tot zu schlagen. Die Fähre sollte um 23.45 Uhr ablegen! Super! Und irgendwie haben die Leutchen hier Probleme mit meinem Namen, wie ich feststellte, als ich auf meine Boardingkarte guckte. Kann ich gar nicht verstehen... Auf der Hin- und nun auch wieder auf der Rückfahrt hoffte ich, dass niemand nach meiner ID fragen und mit den Tickets vergleichen würde. Das würde schief gehen, das war klar.

Wer ist denn das?
Und hier war gar nichts. Und wenn ich sage gar nichts, dann meine ich das auch. Es war nur der Fähranleger mit dem Terminal, nichts wo man noch schön spazieren gehen oder was essen gehen könnte. Das war ätzend. Wir holten uns also im Terminalrestaurant jeder einen Salat und noch zwei Flaschen Wasser, wofür wir zusammen 18 $ bezahlten! Mir fielen fast die Augen aus dem Kopf, Gill schmunzelte nur. Wir nahmen alles mit zurück ins Wohnmobil, denn so gemütlich war es hier in dem Laden nicht, dass man mehr Zeit als nötig dort verbringen wollte. Ich war inzwischen todmüde, da ich die letzte Nacht kaum geschlafen hatte. Weiß auch nicht, warum. Aber der Bus hatte sich gestern Nacht auch noch zweimal selbst entriegelt, was echt ätzend war. Ich las ein paar Seiten und Gill schaute seine Movies. Dann bekam ich langsam Kopfschmerzen, so dass ich mich entschloss etwas frische Luft zu schnappen. 


Fähre wartet
Wollte fit sein für die Überfahrt. Als es nicht besser wurde, ringelte ich mich auf meinem Sitz zusammen und schlief eine Runde. Gegen zehn Uhr startete das Boarding und ich fühlte mich etwas besser. War aber etwas nervös, was die Überfahrt betraf. Bei meinem Spaziergang hatte ich gesehen, dass die Fähre an den Seiten weiß vor Salz war, woraus ich auf eine raue See schloss. Beim Auffahren auf die Fähre stellte ich fest, dass die Neufundländer ein sehr ungeduldiges Völkchen sind. Sie sind in keinster Weise so entspannt wie die Festlandkanadier, muss ich mal sagen. Gill hatte uns zwei Kabinen reserviert, was ich zunächst als völlig unnötig empfand, jetzt aber sehr dankbar dafür war. Ich ging gleich unter die heiße Dusche und haute mich sofort ins Bett, noch ehe wir abgelegt hatten. Ich guckte noch ein paar Minuten TV, machte aber bald die Augen zu. Und ich hatte recht gehabt, es war ein ganz schöner Seegang. Wie durch ein Wunder gelang es mir aber, meinen Magen unter Kontrolle zu behalten und sogar etwas zu schlafen. Ich war ziemlich stolz auf mich. Träumte eine Menge Unsinn, aber besser als die Nacht auf dem Klo verbringen zu müssen. Ich war wirklich dankbar für das Bett. Die Fahrt hätte ich im Sitzen wahrscheinlich nicht überlebt...
So, lieber Blog, wir schreiben heute den 2. November 2012 und es regnet, stürmt und ist neblig. Ich glaubte es einfach nicht. Und heute wollten wir aufbrechen. Ich quälte mich um acht Uhr aus dem Bett, da ich nicht diejenige sein wollte, die für Verzögerung sorgen würde… Hahaha, Witz komm raus, Du bist umzingelt! Naja, aber das kennt man ja, wenn man einmal nicht damit rechnet. Also stand ich zeitig auf, packte zusammen und räumte auch gleich das Motorhome etwas auf. Ich muss zugeben, dass es sehr angenehm war so ein bissel Zeit und Raum für sich zu haben.Und ich hatte Zeit… wer hätte das erwartet. So, Schluss mit den zynischen Bemerkungen. Ich nutzte die Zeit zum Lesen. So beendete ich heute meine dicken Schmöker und fing auch gleich im Anschluss mit einem neuen Buch an, "Eat, Pray, Love". Das hatte mir Lena empfohlen und jetzt kam ich endlich dazu, nach vier oder fünf anderen Büchern… Und siehe da, Gill kam aus dem Motel gewackelt, gegen den Wind ankämpfend. Es war inzwischen halb zehn oder zehn oder so. Round about. Nur für´s Protokoll. Tja, Gill sah ziemlich verdrießlich drein, da die Scheibenwischer ja nun immer noch nicht funktionierten. Ein Plan musste her. Er wollte erstmal frühstücken. Da sich hier im Industriegebiet nicht wirklich was finden ließ, blieb nur Mc Donald´s, A&W, Tim Horton´s und all die anderen feinen Fast Food Ketten. Wir entschieden uns für Mc, wo ich einen Cappuccino und einen Joghurt zu mir nahm. Ja, tatsächlich, hier bekam man Joghurt mit Früchten und Cerealien. Da ich schon die ein oder andere trockene Toastbrotscheibe im Motorhome zu mir genommen hatte, war mir nach nicht viel mehr. Gill versuchte für uns einen Platz auf der Fähre zurück nach Cape Breton zu reservieren, was leider scheiterte. Zumindest vom Hafen in Argentia, da diese Fähre nur im Sommer fährt. Schade, das wäre nur zwei Stunden von St. John´s entfernt gewesen. So blieb nur die Fähre von Channel Port aux Basque, wo wir ungefähr elf Stunden Fahrt benötigen würden. Und sonst gibt es nur noch eine Fähre nach Labrador, andere Wasserwege von und nach Neufundland existieren nicht. Ok, da blieb nicht viel Auswahl. Und Labrador fiel leider flach, da die Straßen wohl nicht geeignet wären für das Wohnmobilmonstrum… Keine Ahnung, wo er diese Info her hatte. Aber ok, ich war ja nur Mitfahrer. So reservierte er uns für morgen Nacht auf der Fähre zwei Kabinen. Ich hätte zwar eigentlich keine gebraucht, da ich auch gut in den Sesseln auf Deck gut schlafen kann, aber danke schön. Wieder etwas mehr Luxus. Das war jedenfalls schon mal geregelt. Dann hieß es nun noch Auto tanken, Motorhome in die Werkstatt bringen, Auto weg bringen, mit Taxi zur Werkstatt und Motorhome abholen und dann endlich los auf die Bahn… War ja fast gar nichts. Normalerweise. Aber das erstmal umgesetzt bekommen. Diese Kanadier machen mich in dieser Hinsicht noch wahnsinnig! Etwas Organisation ist doch nicht zu viel verlangt. Lange Rede, kurzer Sinn: Scheibenwischer waren innerhalb einer Viertel Stunde repariert, Auto weg bringen war auch ein Klacks, nur das Zurückfinden auf den TCH 1 war mit einigen kleinen Umwegen verbunden. Man ist aber auch so was von unbeweglich mit so einem Riesending. Mal eben schnell Spur wechseln und abbiegen ist nicht drin. Aber ich kann ja auch nicht hellsehen und ich werde nicht müde zu erwähnen, dass die Beschilderung auch in diesem Teil Kanadas das Letzte sind. So bestand der Rest des Tages aus einer unspektakulären, langen Fahrt bis nach Grander, wo wir uns zur Nachtruhe auf einem Tankstellenparkplatz breit machten. Aber es war gar nicht allzu schlecht. Es gab direkt in der Tanke ein Restaurant, wo ich Lachs mit Salat und einen Carrot Cake als Nachtisch einnahm. War ganz ok. Und laut Gill günstig. Das Witzige heute war ja, dass nachdem die Scheibenwischer repariert waren, es natürlich heute nicht stark regnete und sich der Nebel ebenfalls im Laufe des Nachmittags auflöste… Gill zog sich nach dem Essen mit seinen Movies in sein Zimmer im Heck des Busses zurück, während ich mich in mein Frontzimmer breit machte und mich meinem Buch widmete. Er kochte noch einen Tee und das war´s dann auch für heute. Er schien noch nicht wirklich fit zu sein. Morgen hatten wir, Gott sei Dank, genug Zeit, da die Fähre erst um halb zwölf Uhr abends ablegen würde. Hatten wohl noch so um die 400 km vor uns, schätze ich. 

Donnerstag, 1. November 2012

Es ist Donnerstag, der 1. November 2012... Kaum zu glauben, es ist bereits November. Die Zeit verfliegt regelrecht. Auch wenn mir meine Familie und Freunde sehr fehlen. Es ist der Tag nach Halloween und ich beschloss heute mal auszuschlafen. So wachte ich tatsächlich auch erst um halb zehn auf. Das war aber mal nötig. Ich kochte Kaffee und räumte alles weg. Die übliche Prozedur. Like every morning. Da Gill sich den ganzen Vormittag nicht zeigte, beschloss ich mir nicht den Tag versauen zu lassen und hier vor Langeweile umzukommen. Kann mich schließlich alleine beschäftigen. Normalerweise pflegte ich die letzten Tage in solch einer Situation eine Wanderung zu unternehmen. Aber da unser Truckstop so ganz ungünstig im Industriegebiet lag, war an einen Walk nicht zu denken. So nahm ich Gill beim Wort, dass ich jederzeit das Auto benutzen dürfte, packte meine Sachen und fuhr los. Erstmal runter nach Downtown. Die wollte ich unbedingt noch erkunden, bevor es höchstwahrscheinlich morgen weiter ging. Wohin auch immer... Vielleicht Labrador? Oder USA? Oder erstmal zurück nach Halifax? Ich hatte keine Ahnung, war ja nur Mitfahrer. Auf der Fahrt in die City fiel mir ein, dass Gill eigentlich heute einen Werkstatttermin für das Motorhome hatte und ich war mir nicht sicher, ob er auf meine Unterstützung beim Navigieren zählte. So fuhr ich zunächst nur mal kurz durch die Innenstadt und war so begeistert, dass ich sicher war nachher noch mal her zu kommen und dann die Stadt zu Fuss zu erkunden. Jetzt fuhr ich aber erstmal zurück, damit ich mit Gill klären konnte, was heute so anlag. Allerdings hätte ich mir das sparen können, denn er war immer noch nicht zu sehen. Die Dame vom Campground teilte mir noch mit, dass sie für heute Nacht einen Platz frei hätte. Ich sagte, dass ich leider keine Ahnung hätte, was der Herr so vor hatte und dass er sich bestimmt mit ihr in Verbindung setzen würde, wenn er was wollte. Ich fragte zudem noch, ob man hier irgendwo spazieren gehen könnte, worauf sie mich anschaute, als ob ich nicht alle Tassen im Schrank hätte. Ok, hätte ja sein können. Ihre Kollegin meinte noch, dass wir uns hier schließlich in einem Industriegebiet befänden. Ach nee, das war mir noch gar nicht aufgefallen. Ich machte mich noch mal erneut auf den Weg, diesmal zu Mc Donald´s, um dort ins Internet zu kommen. Danach fuhr ich wieder zurück. Wer hätte das erwartet? Ich bin zu weichherzig. Und er war immer noch nicht auf. Oder gar nicht da, hatte keine Ahnung. Jetzt hatte ich die Nase voll, ich fuhr nach Downtown. Ich fand sogar einen ganz guten Parkplatz. Ich glaube, normalerweise war der auch nur für Anwohner, aber das Schild war abgefallen oder was weiss ich. Ich hatte jedenfalls einen Platz und das zählte. 



Ich ging den Berg runter Richtung Downtown, wo ich an Mile 0 des Trans Canada Highway vorbei kam. Hatte ich ganz vergessen, hier beginnt, bzw. endet der TCH. 


Die Stadt ist in meinen Augen richtig angenehm. Die Wohnhäuser sind so bunt und sehen so gemütlich aus. Ich konnte mich gar nicht satt daran sehen. Dazwischen ragten ganz moderne Glasbauten in die Höhe. Downtown liegt genau am Hafen und besteht aus etlichen recht britisch anmutenden Gebäuden.


Mir gefiel es jedenfalls sehr gut. Ich schlenderte durch die ehemalige Businessstraße von St. John´s, sowie die Kneipenmeile. Ich glaube, ich erwähnte es schon, dass ich die Neufundländer als nicht annähernd so freundlich halte wie die restlichen Kanadier. Sie sind ziemlich europäisch, möchte ich meinen. Ebenfalls ihr Fahrstil ist es, hektisch, ungeduldig und schnell. Von der kanadischen Höflichkeit kann man hier nicht allzu viel merken. Was nicht heißen soll, dass sie total unfreundlich wären. Nein, es sind eher Nuancen. 





In einem kleinen Park wurde den hiesigen Hunderassen, Neufundländer und Labrador, gehuldigt. Der Park liegt ziemlich nahe am Hafen, wo man einen schönen Blick auf die umliegenden Hügel und die bunten Häuschen hat. 



Ich wanderte so langsam wieder zurück zum Auto, da mich langsam der Hunger plagte. Ich hatte ein bißchen die Hoffnung auf ein Starbucks zu treffen. Bekam schon langsam Entzugserscheinungen. Ich hatte vorgestern bei unserer Suche nach einem Parkplatz einen gesehen, konnte mich aber beim besten Willen nicht mehr daran erinnern, wo! 

 

Ich traf natürlich wieder auf ein Tim Horton´s, an dem ich naserümpfend vorbei ging. Muss ja nicht öfter sein als nötig. Außerdem wollte ich eh Geld sparen. Hatten ja auch eigentlich alles im Bus, so war es völlig unnötig. Seufz! 



Beim Auto angekommen, machte ich mich langsam auf den Rückweg. Wollte doch so langsam mal hören, was Gill heute vielleicht noch vor hatte. Schließlich hatte ich ja den Wagen, so dass er gar keine Möglichkeit hätte weg zu kommen. Ich war ziemlich zufrieden, ich hatte Downtown erkundet. Hätte auch gerne noch Castle Hill gesehen, aber das war heute etwas zu spät, denn das war ungefähr 120 km entfernt. Aber vielleicht könnte man da morgen noch vorbei fahren... Leise Hoffnung. Am Truckstop angekommen fragte ich erstmal in der Campground Rezeption nach dem Passwort für das WiFi, was sie mir gestern nicht geben wollten. Aber ich kriegte die Dame doch rum. Ihre Bekannte oder Kollegin oder was auch immer war auch wieder da und meinte ich sollte das aber niemanden verraten. Hahaha, guter Witz! Ich sagte, dass wir morgen spätestens weg wären und sich das ja wohl denn eh erledigt hätte. Ich setzte mich ins Motorhome auf meinen Sitz und fing an im Internet zu recherchieren und meinen Blog zu pflegen. Am späten Nachmittag tauchte Gill auf. Oh, ich dachte, er wäre gar nicht da. Er musste arbeiten und ging los, um Telefonate zu erledigen. Ich fuhr später noch mal los, weil ich mir noch die Beine vertreten wollte. War nicht ausgelastet heute. Fuhr also zum Pippy Park, den ich noch nicht gesehen hatte. Allerdings war da heute auch nichts zu sehen, denn es war stockfinster, regnete und es war so was von neblig. Na toll, das war ja eine klasse Idee! Im Pippy Park konnte ich also gar nichts sehen und zum Spazierengehen war mir das dann doch auch nicht geheuer, so fuhr ich weiter zur Avalon Mall, wo auch ein Kino integriert war. Eventuell könnte ich ja ins Kino gehen... Ich bummelte durch die Mall und entschied mich dann aber doch nicht ins Kino zu gehen. Alleine ins Kino, das schockt irgendwie nicht unbedingt. Kam am späteren Abend zurück und ging duschen. Das tat gut. Mein Fuss schmerzte immer noch. Die Wanderung gestern hatte nicht gerade zur Besserung beigetragen. Hatte in der Mall auch schon mal nach Schuhen Ausschau gehalten, aber nichts gefunden. Machte mir ein Nudelfertiggericht in der Mikrowelle warm und schrieb wieder meinen Blog, damit der mal wieder auf aktuellsten Stand kam. Danach las ich noch ein bissel. Das Motorhome hatte ich heute für mich, da Gill sich netterweise ein Zimmer im Motel genommen hatte, damit ich meine Ruhe hatte. Das war sehr nett von ihm. Das war mein Freitag. Morgen sollte es weiter gehen, wie mir Gill noch vor seinem Verschwinden ins Motel mitteilte. Sure! Das wollte ich erstmal sehen. Wie gesagt, die Zuverlässigkeit hatte er nicht gerade gepachtet. 
Mittwoch, der 31. Oktober 2012 und HALLOWEEN!!!! Buuuhuuuu! Hehe, schade, dass ich diesen Tag nicht irgendwo privat bei einer Familie verbringen kann. Am besten mit Kids, das wäre das ultimative Halloweenerlebnis gewesen. Aber was nicht ist, ist halt nicht. So genoss ich einfach die Kostüme und dekorierten Häuser in St. John´s. 

Halloween!!!
Und wer weiss, was heute noch passieren würde?! Mein Wecker haute mich wie versprochen um Punkt acht Uhr aus dem Bett. Das der aber auch nie verschläft. Puh! Ich blinzelte raus auf die Mall und stellte fest, dass die Mall anscheinend noch gar nicht geöffnet hatte… Welch ein Wunder, um diese nachtschlafende Zeit. Spaß beiseite, ich stand auf, räumte wie gewohnt alles beiseite und machte laut Radio an, um Gill daran zu erinnern, dass er gestern noch meinte, wir würden heute früh los legen können, da wir ja früh Feierabend gemacht hatten. Er kam etwas später dann auch tatsächlich aus seinem Gemach. Sah sogar einigermaßen fit aus. Ich hatte keinen Kaffee gekocht, wie Gill erstaunt fest stellte. Schnell erwiderte ich, dass wir nicht mehr genug Wasser hatten. So gingen wir rüber zu Mall, um zu checken, ob evtl. schon der Food Court auf hatte. Ich war fest der Ansicht, dass der schon geöffnet haben müsste, denn die Leute wollen ja essen. Und tatsächlich, wir bekamen bei Tim Horton´s unser Frühstück. Ich kann es gar nicht glauben, dafür dass ich diese Food Kette gar nicht mag, bin ich in letzter Zeit erstaunlich oft dort. Aber jedes Mal wieder wird mir klar, warum ich sie nicht mag. Nach einem kurzen Frühstück fuhren wir zunächst mit dem Auto zu gestern ausfindig gemachten Campground "Crossroads". Keine Ahnung, warum der so hieß, weder lag er an einer "Cross Road", sondern an der "Kenmount Road", noch lag er an einer Kreuzung. Egal, jedenfalls teilte uns die Dame mit, dass wir doch um zwölf noch mal kommen sollten, sie konnte momentan nicht sagen, ob sie einen Platz hätten. Würde darauf ankommen, ob heute einer auschecken würde. Mann, da steht man schon mal früh auf. Ok, wir suchten jetzt erstmal eine Werkstatt, die diese verdammten Scheibenwischer reparieren konnte, was auch schon einige Zeit in Anspruch nahm. Danach holten wir das Motorhome, auch wenn wir noch gar nicht wussten, ob wir einen Platz bekommen könnten. Denn zur Not würden wir auf dem vorgelagerten Truckstop übernachten können. Bevor wir wie gewohnt ich im Auto vorweg und Gill im Motorhome im Schlepptau Richtung Campground aufbrachen, hatte Gill noch eingekauft. Er war ganz aus dem Häuschen, er hatte den Dollar Store entdeckt. So viele Sachen, vor allem Lebensmittel, für einen Dollar. Ich schaute ihn ein wenig mitleidig an und meinte etwas trocken:"Yes Gill, it´s a Dollar Store, so you can get things for one Dollar. Makes sense, right?!" Er musste lachen und freute sich immer noch. Jedenfalls waren wir erstmal wieder versorgt für Notfälle. Denn normalerweise geht Gill im Restaurant essen und macht nicht irgendeine Dosensuppe auf. Wir kamen um kurz nach zwölf beim "Crossroads" an und die Dame von heute Morgen war gerade unterwegs, daher konnten wir keine Info einholen, ob wir denn nun einen Spot bekommen konnten oder nicht. Ich schlug Gill vor, dass er vielleicht den Platz reservieren könnte, falls er frei werden würde und wir das Motorhome erstmal hier auf dem Truckstop stehen lassen könnten. Dann könnten wir uns unserem Sightseeing Programm widmen, denn ich sah schon wieder alles den Bach runter gehen. Er fand die Idee, Gott sei Dank, gut und wir machten uns auf den Weg. Ich fuhr geradewegs zum Cabot Tower auf dem Signal Hill. 


Cabot Tower
Gill hatte natürlich keine Ahnung, er hatte sich überhaupt nicht informiert, was man hier alles sehen und machen konnte und so war er sehr überrascht als wir auf den Parkplatz des in Nebel gehüllten Cabot Tower fuhren. Aber dieser Nebel... Es hat wirklich was von Schottland hier. Ist nicht zu leugnen. Ich trabte los und machte Bilder. Trotz des Nebels war es eine tolle Kulisse. Ich lief einen Pfad an der Klippe entlang und die Aussicht war atemberaubend… 





In Nebel gehüllt...
Naja, zumindest konnte ich mir vorstellen, dass sie normalerweise toll sein muss. Aber ohne zu unken, je weiter ich den Hang runter lief, desto mehr lichtete sich der Nebel. Weiter unten konnte ich einige alte Kanonen bewundern. Von achzehnhundertschießmichtot. 





Verteidigungswall
Und als ich nach einer Viertel Stunde oder so wieder oben am Tower war, war auch hier der Nebel verschwunden. Na toll, danke schön. Die Bilder hätte ich mir dann wohl sparen können. Wir fuhren weiter nach Quidi Vidi Village, das älteste Örtchen Neufundlands. Ein total süßes und farbenfrohes Fischerdörfchen mit einer eigenen Brauerei. 


Quidi Vidi Village
Die Straßen waren der Hammer, eigentlich eher einspurig. Manchmal nicht mal das. Ich parkte den Wagen vor der Brauerei und Gill kaufte ein Sixpack Quidi Vidi Beer. Danach schlenderten wir durch den Ort und auf einen kleinen Hügel, von dem ich eine super Übersicht hatte. 


 




















Ich konnte von hier oben nun auch die Straße erkennen, die uns zur Quidi Vidi Battery bringen würde. Das Navi hatte in dieser Hinsicht kläglich versagt. Als wir anschließend dorthin fuhren stellte sich heraus, dass es ein Trail entlang der Klippen war, mit herrlichen Aussichtspunkten. Das ließen wir uns doch nicht nehmen, mal ein paar Meter zu gehen. 





Auf dem Weg zur Quidi Vidi Battery



Der Cabot Tower - da isser wieder
Vom höchsten Punkt war es dann nur noch einen Steinwurf zum Cabot Tower entfernt! Man hätte noch viel weiter wandern können, aber es war schon früher Nachmittag und ich wollte noch zum Cape Spear. Außerdem mussten wir das mit dem Campground noch regeln. So machten wir uns auf den Rückweg zum Auto, während ich diese atemberaubende Aussicht beim Abstieg noch in vollen Zügen genoss. 



Wir fuhren noch schnell zum Cape Spear, ein Leuchtturm. Man konnte hier den alten, originalen Leuchtturm, sowie den neuen Leuchtturm begutachten. Zudem führte noch mal ein wahnsinnig toller Pfad direkt an der Steilküste entlang. Überall waren Warnhinweise, dass man auf dem Pfad bleiben sollte, da in den letzten Jahren acht Menschen ihr Leben verloren hatten als sie auf den Felsen herumliefen und von den Wellen ins Meer gerissen worden waren. Brrr, das wollte ich nicht am eigenen Leib erfahren. Die Wellen waren schon aus der Ferne beeindruckend. 



Besonders der Klang der Wellen, dieses dunkle Grollen. Ich muss zugeben, dass ich danach echt reif für eine Dusche war. Das war doch einiges an Lauferei heute. Wir fuhren zurück zum Motorhome und siehe da, es war kein Spot frei geworden. Wir würden also auf dem Truckstop nächtigen. Egal. Gill füllte und entleerte noch alle Tanks und parkte dann das Riesenmobil. Ich ging erstmal unter die Dusche. Ich fühlte mich wie so ein kleiner Marder. Olfaktorisch gesehen. Danach fühlte ich mich viel besser. Gill hatte noch mal eingekauft. Diesmal etwas Obst und für mich heiße Schokolade und Saft. Er wollte noch in die Bar, natürlich war hier am Truckstop eine zu finden… Er wollte mir einen Salat mitbringen, da ich mich bereits in meine Looserklamotten geworfen hatte. Soll heißen, ich war für´s Sofa, bzw. für mein Bett umgezogen. Dorthin verzog ich mich dann auch und trank eine heiße Schokolade und schrieb meine heutigen Erlebnisse nieder. Ich fragte mich, wann und in welchem Zustand Gill wohl aus der Bar kommen würde… Ob ich mit dem Salat rechnen könnte? Ich wusste es nicht. Ich bearbeitete noch meine heutigen Fotos und machte mich anschließend wieder an meine Bettlektüre. Vielleicht würde ich die heute sogar durch bekommen. 
30. Oktober 2012: Wir fuhren heute gegen 10 Uhr vom Hotel los. Ich hatte super gut geschlafen und begab mich um kurz vor neun zum weiteren Warten in die Lobby, da ich vergeblich auf… oder besser gesagt erwarteterweise nicht eintreffenden Gill´s Weckruf gewartet hatte. Umso erstaunter guckte ich aus der Wäsche, als er mir aus dem Restaurant entgegen kam, gerade als ich mich in der Lobby auf dem Ledersofa niedergelassen hatte und anfangen wollte zu lesen. Ich glaube, ich habe echt doof drein geschaut. Damit hatte ich nun gar nicht gerechnet. Er fragte, ob ich schon Kaffee gehabt hätte, er würde schon seinen dritten trinken. Ok, das ist ja mal was ganz neues, dachte ich immer noch ganz verblüfft. Ich verneinte und folgte ihm ins Restaurant, wo das Frühstück serviert wurde. Ich bestellte Obstsalat, Cerealien und Joghurt. Das tat so gut, mal ein ganz normales, frisches Frühstück. Frisch war es, denn es war tatsächlich frisch aufgeschnittenes Obst. Hatte ich gar nicht erwartet. Während Gill also nach dem Frühstück schon zum Motorhome ging, lief ich noch mal hoch, um mir die Zähne zu bürsten und meine Sachen zu holen. Als ich auf dem Parkplatz ankam, rangierte er gerade mit dem Riesenschiff herum und suchte nach einer passenden Ausfahrt. Das ist immer gar nicht so einfach. Es war ziemlich neblig und nieselte. Vielleicht war das aber auch der Nebel… Zumindest war es momentan recht windstill. Hurrikan Sandy schien uns hier größtenteils zu verschonen. Je weiter wir nach St. John´s kamen, desto windiger wurde es allerdings wieder und der Regen nahm auch zu. Und der Nebel war auch nicht von schlechten Eltern. Aber da es gut hell war, ging es mit dem Fahren. Man muss immer das Positive sehen. Das sollte mein neues Mantra werden. Das mit dem Positiven konnte man sich so lange einreden bis die Scheibenwischer wieder ausfielen. Das war nicht schön! Nachdem uns ein ziemlich großer Truck entgegen kam, verabschiedete sich ein Scheibenwischer auch noch zur Seite. Ich hoffte nur, dass er da hängenbleiben und nicht komplett abgerissen werden würde. Mann, Mann, Mann, ich sagte Gill, dass er da wirklich eine Riesenschrottkiste an Land gezogen hat, worauf er lachen musste und meinte, dass er das Ding so schnell wie möglich abstossen würde. Irgendwie kamen wir aber heil in St. John´s, der City of Legends, an. 



Ich hatte bisher noch nicht viel vom Land Neufundland gesehen, entweder war es zu dunkel oder zu neblig gewesen… Daher habe ich bisher auch keine Fotos gemacht. Ich hoffe, das wird sich die nächsten Tage noch ändern. In der Stadt bugsierte ich Gill auf einen großen Mall Parkplatz, die Village Mall. Von hier nahmen wir ein Taxi zu einer Autovermietung, um mobil zu sein. Mit dem Motorhome ist man so was von unflexibel. Nach dem ersten Misserfolg bei der ersten Autovermietung wurden wir bei der zweiten Vermietung fündig, denn Gill wollte gerne einen SUV haben, da er darin besser sitzen kann… Ja, ja, das Alter. Wir bekamen einen kleinen Ford Escape. Und mit klein meine ich klein. Viel sehen konnte man nicht von drinnen und Platzfreiheit… Naja, das ist Jammern auf hohem Niveau, wie meine lieben Kollegen sagen würden. Aber man ist auch zu schnell verwöhnt. Jedenfalls fiel mir doch gleich wieder die Rolle des Fahrers zu. Diesmal war Gill aber schlau genug gewesen ein Navi dazu zu mieten. Damit ich es leichter hätte mit Fahren und selber Navigieren. Das sagte er nicht, aber das waren meine Gedanken dazu. Das war aber vielleicht auch besser so, denn wie schon erwähnt, zum Navigieren taugt er nicht viel, ohne gehässig klingen zu wollen. Zur Mall fand ich allerdings noch so zurück, was ihn ziemlich beeindruckte. Mich im übrigen auch, denn mein Orientierungssinn ist normalerweise nicht der Renner. Das ist eher die Spezialität meiner Schwester. Schon immer gewesen. Vielleicht ist ja doch noch nicht Hopfen und Malz an mir verloren. Ich programmierte anschließend mal schnell das Navi, damit wir zur Touristen Information kamen, wo wir nach einem RV Park fragen wollten. Der vor allem noch geöffnet hatte um diese Jahreszeit! Und wir hofften, dass die Info selber überhaupt noch geöffnet hatte. Sie hatte. Es war schnell dorthin gefunden mithilfe des Navi. Dann kam aber wieder das altbewährte Problem des Parkplatzmangels. Gill meinte, in jeder größeren kanadischen Stadt gäbe es keine Parkplätze. Ich fand aber nach mehrmaligem Herumkurven eine Tiefgarage. Sogar ganz in der Nähe der Info, wo wir dann hinliefen. Wir bekamen einige Tipps, was man noch an Touren machen könnte (die Zeit für Wale, Puffins und Eisberge war leider vorüber, man kann nicht alles haben...) und wo wir evtl. einen RV Park finden könnten, der noch geöffnet hatte. Der erste, den wir zunächst ansteuerten, hatte allerdings schon geschlossen. Wir waren über eine Stunde herumgeirrt, um den Campground Marine Park in Poche Cove zu finden. Gott sei Dank waren wir erstmal nur mit dem Auto los gefahren und nicht gleich mit Motorhome im Schlepptau. Das hätte ein Desaster gegeben. Gill rief noch bei dem zweiten Campground an, die leider erst ab morgen einen Platz frei hätten. Nach längerem Hin- und Herüberlegen entschieden wir uns die Nacht an der Mall zu verbringen. War gar nicht zu schlecht. Morgen würden wir dann zum Campground fahren. Es war dringend nötig, da der Frischwassertank quasi leer war und der Black Tank auch mal entleert werden musste. Wir schlenderten, nachdem wir wieder am Wohnmobil angekommen waren, noch mal durch die Mall und gingen hier auch gleich im "Klondike" essen. 


 

War ein uriger Saloon, ganz niedlich eingerichtet. Ich nahm zur Abwechslung mal wieder einen Spinatsalat und ein Knoblauchbaguette, das ich mir allerdings mit Gill teilte, da es "one foot and a half" lang war. Stand so in der Speisekarte. Als Dessert gab es einen leckeren Schokokuchen, den wir uns schlauerweise aber auch teilten. Die Desserts hier in Kanada sind immer so mächtig. Ich sagte der Bedienung, dass der Kuchen oberlecker war, aber ich mir nicht vorstellen könnte, wie man den alleine schaffen sollte. Sie stimmte mir voll und ganz zu und meinte, dass einige nur einen Kuchen nehmen und dann würde es gehen. Als wir raus gingen, sah ich über der Kasse auch noch das passende Schild hängen. Hätte ich vielleicht vorher mal lesen sollen. 


 

Es war noch früh am Tage, aber Gill war nur noch nach Movie gucken und ich wollte den Abend nutzen, um etwas über St. John´s zu recherchieren. Beim Herumfahren und Campgroundsuchen haben wir schon einen Teil der Stadt gesehen. Und ich muss sagen, sie gefällt mir. Sehr gut sogar. Ganz tolle Häuser und trotz der Größe irgendwie niedlich. Ich schlug Gill vor, dass wir morgen versuchen sollten wieder früh zu starten, damit wir möglichst viel zu sehen bekommen könnten. Da wir sehr früh in den Betten lagen, denke ich, sollten wir das wohl hinbekommen. Naja, ich weiß ja nicht, wann Gill über seinen Filmen einschlafen würde und wie lange ich noch lesen würde. Aber würde schon irgendwie hinhauen. Außerdem musste ich noch einen kleinen Plan für morgen zurecht legen, was wir alles anschauen wollten, sonst würde das ja wieder nichts werden. Ich mag ja Spontanität und keine allzu strengen Zeitpläne, aber ein bissel vorbereiten muss man sich doch. So hatte ich also noch genug vor am Abend. Der Abschluss war dann endlich mein Buch. Letztendlich konnte ich mich leider gar nicht von meiner Lektüre losreissen, wie mir meine liebe Freundin Jenny ja schon vorausgesagt hatte, so dass ich erst um ein Uhr nachts das Licht ausmachte. Egal, dachte ich. Der Wecker würde erbarmungslos morgen Früh um acht Uhr klingeln. 

Montag, 29. Oktober 2012

Wir schreiben Montag, den 29. Oktober 2012. Es war ein grauer Morgen und es war neblig draußen. Oder anders gesagt, die Wolken hingen ziemlich tief. Bin, wie Gill gestern gesagt hat, um 8 Uhr aufgestanden. Aber wer kam nicht aus seinem Schlafgemach? Der Herr Gill. Aber ich kannte das ja nun schon und ärgerte mich gar nicht. Ich schaute kurz raus, um sicher zu gehen, dass wir tatsächlich niemanden stören würden. Aber es war alles ok. Ich kochte Kaffee, machte Radio an (und nicht zu leise) und studierte die Neufundlandkarte, damit ich einen Überblick bekam, wo wir was ansehen konnten und wie wir fahren konnten. War aber nicht so anstrengend, da es letztendlich, wie ich schon vorher fest gestellt hatte, wirklich nur den Trans Canada Highway gab, der um die Insel führte. Im übrigen fällt dieses Fahrzeug immer mehr auseinander, es wird Zeit, dass Gill es umtauscht. Seit zwei Tagen funktioniert der Wasserhahn in "meinem" Bad nicht mehr… Ich dachte erst, es lag daran, dass das Fahrzeug nicht im Level stand, aber es funktionierte auch heute nicht. Die Kaffeemaschine spinnt auch seit ein paar Tagen. Mann, Mann, bloss weg mit der Karre. 

Toller Parkplatz...
Als Gill gegen halb zehn aufstand machten wir uns auf den Weg zu McDonald´s zum Frühstück. Allerdings haben sie hier in Canada leider nicht meine heiß geliebten McCroissants, so dass ich noch nicht sicher war, ob ich was zum Frühstück finden würde. Aber ja, ich nahm einen Kaffee und einen Ginger spiced Muffin. Der war gar nicht schlecht. Hatte etwas von einem Gewürzkuchen. Während Gill sich anschließend beim Friseur begnügte, ging ich zu WalMart und kaufte mir noch mal warme Socken. Er hatte mir nämlich heute Morgen mitgeteilt, dass es in Yellowknife inzwischen -10°C waren! Oh, mein Gott! Wollte ich da wirklich hin?! Aber mir blieb nichts anderes übrig, die Kasse war leer. So genoss ich diese großzügige Reise umso mehr. Wir kamen gegen halb zwölf wieder auf den TCH 1 Richtung St. John´s. Gill wollte die Stadt heute noch erreichen. Das hielt ich aber für ein Gerücht, es waren noch über 700 km bis dorthin. Wir würden sehen, wie weit wir kamen. Das Wetter zeigte sich heute nicht besonders nett und es besserte sich auch nicht. Wir passierten Deer Lake und stoppten bei Grand Falls-Windsor, da Gill etwas essen wollte. Wir stoppten also an einem kleinen Restaurant, "Lucky Fontaine". Wie sich herausstellte, ein Chinese. Oh Nein, nicht schon wieder. Ich hatte noch an dem Essen von gestern Abend zu verdauen. So aß ich nur einen Apple Pie. Konnte man essen. Fuhren bald darauf wieder auf den Highway und ich hatte das Riesenglück zwei Elchkühe zu sehen! Da wurde Neufundland also doch noch seinem Titel als Land der Elche gerecht. Ich muss zugeben, dass meine Erfahrung mit am Straßenrand geparkten Autos mir da sehr geholfen hat. Sonst hätte ich sie wahrscheinlich nicht entdeckt. Aber so sah ich ganz genau ins Gehölz und entdeckte diese beiden Riesentiere. Leider war Gill zu schnell, so dass ein rechtzeitiges Stoppen für ein Foto nicht möglich war. So düsten wir weiter über die Straße, die sich als ziemlich langweilig entpuppte. Nichts zu sehen. Es erinnerte mich stark an die Fahrt nach Yellowknife. Nur Bäume und Seen. Und sehr tief hängende Wolken, die sich mit fortschreitendem Tag zu Nebel umwandelte. Das machte es nicht einfacher. In Clarenville wollte Gill sich nach einem Hotel umsehen? Ja, er meinte, dass wir nun seit etlichen Tagen on the road wären und dass man doch mal wieder in einem richtigen Hotel schlafen könnte… Ich meinte nur, dass das hier doch ein rollendes Hotel wäre, worauf er lachen musste. Aber ist doch wahr. Allerdings fanden wir in Clarenville nichts entsprechendes, denn es musste ja auch ein Parkplatz für das Riesenschiff vorhanden sein. Als er sich dann doch fast dazu durch gerungen hatte auf einem Mall Parkplatz zu nächtigen, sagte uns ein Mann, den Gill gefragt hatte, wo wir ein passendes Hotel finden würden. Also wieder rauf auf den TCH und noch mal ein paar Minuten weiter gefahren und schon erreichten wir das St. Judes Hotel. 

Mein Zimmer
Wir bezogen unsere Zimmer und gegen halb zehn rief Gill mich an und fragte, ob ich schon gegessen hätte. Hatte ich natürlich nicht. Er sagte, er hätte eine Pizza bestellt und würde sich noch mal melden, wenn sie da wäre. Puh, das war gut. Hatte mich schon darauf eingestellt, dass es heute nichts mehr gab. Hatte doch ein wenig Hunger. Nur ein Muffin und ein Pie ist nicht so viel. Nach unserem Essen genoss ich noch eine heiße Dusche und haute mich in die Federn und schaute noch eine Weile TV. Hatte ich nun auch schon länger nicht. Mal sehen, wann es morgen weiter gehen würde. 
28. Oktober 2012: Bin mal wieder fein um 8 Uhr aufgestanden. Wollte nun wirklich nicht verschlafen, während wir hier am Fähranleger in vorderster Front auf die Fähre warteten. Als ich zum Fenster raus lugte offenbarte sich mir schon emsiges Treiben. Unsere Fähre war bereits eingelaufen und wurde entladen. Gill war gestern erst sehr spät zum Motorhome zurück gekehrt und da er ja durch das ganze Schiff nach hinten wandern muss, was sich hinzog, hatte ich wenig Schlaf bekommen und war entsprechend schlecht gelaunt. Ok, das ist untertrieben, war eigentlich stinksauer. Ich fuhr also alles ein, damit die anderen Fahrzeuge auch wieder etwas mehr Platz hatten und räumte meine Sachen weg. Dann setzte ich mich auf den Beifahrersitz, aß eine Banane und ein paar Cookies als Frühstück und beobachtete das Treiben draußen. So in der ersten Reihe hat man ja einen herrlichen Überblick. Dauerte tatsächlich bis halb zwölf bis Boarding war. Ich dachte, die Fähre würde um diese Zeit ablegen… Wir wurden in den Bauch des Schiffes dirigiert. Und wieder fiel mir auf, dass die Fähre echt klein war. Es war wie in einer Sardinenbüchse im Frachtraum. Zwischen all den riesigen Trucks. Und so schöne Trucks! Mein Herz machte regelrecht einen Hüpfer bei dem Anblick. Eine Lady begleitete uns dann zum Aufzug, dem Einzigen an Bord (zur Veranschaulichung der Größe des Boots), damit wir nicht von einem ankommenden Truck überrollt wurden. Wir befanden uns auf Deck 3 und fuhren erstmal rauf zu Deck 7, was wie das Hauptdeck auf der Beschreibung an der Wand des Fahrstuhls aussah. Ich war nicht schlecht erstaunt, dass es hier doch recht nobel und modern aussah. Der Aufenthaltsraum hatte sechs großen Monitore mit verschiedenen Filmangeboten und es gab ein Café, sowie ein Restaurant und einen kleinen Giftshop. 



Ich suchte mir gleich einen schönen Sitz mit Blick auf die Fernsehbildschirme, wir hatten schließlich 4,5 bis 8 Stunden rum zu kriegen. Ich hatte außerdem meinen kleinen Rucksack mit allen wichtigen Dingen mit: Mac, Buch, Apfel, Saft, Zwieback (meine letzte Notration), Jacke… Ich denke, irgendwann zwischen zwölf und halb eins legten wir ab. Hab, ehrlich gesagt, nicht auf die Uhr geschaut. Ich war ganz aufgeregt, es ging tatsächlich nach Neufundland! Das hätte ich mir nicht träumen lassen, dass ich da mal hinkommen würde. Während ich es mir bequem gemacht und einen Kaffee für 1,99 $, den ich zumindest einmal nachfüllen durfte, geholt hatte, erkundete Gill, glaube ich, das Schiff. War mir ganz recht. Er sollte sich mir heute lieber fern halten. Ich denke, er suchte sich dann auch irgendwo einen Platz. Ich las eine ganze Weile bis ich mich die Müdigkeit überkam. Es war zudem leichter Seegang und ich bin leider nicht besonders seefest, wie Ihr wisst. Aber ich konnte meinen Magen unter Kontrolle halten. Ich schlief erstmal eine Runde, denn das ist die beste Medizin. Hab ich Erfahrung mit. Als die Durchsage ertönte, dass wir noch ca. eine halbe Stunde Fahrt vor uns hatten, ging ich mal auf Deck. 



Und ich staunte nicht schlecht, es war warm! Trotz des heftigen Windes war es wirklich warm, nicht nur mild. Wie schön. Noch mal mehr der Kälte entflohen. Gegen 17 Uhr legten wir in Channel-Port aux Basques auf Neufundland an. Es war noch ein wenig hell, die Dämmerung setzte aber schon langsam ein. 

Flagge Neufundland Labrador
Wir konnten sogar ziemlich mit von den Ersten das Schiff verlassen. Jetzt war mir aber auch klar, warum das Entladen immer so lange gedauert hat, auf dieser Fähre. Es war so was von super eng hier drin. Da konnte man nicht schnell machen. Wir mussten teilweise sogar seitwärts zwischen den Trucks durch, um zum Motorhome zu kommen, so eng waren die Fahrzeuge geparkt. Ich hatte nun keine Ahnung, was Gill vorhatte. Hatte auch keine Lust zu fragen. Er konnte mir sagen, wo er hin wollte und ich würde navigieren. Obwohl ich zugeben muss, dass das Navigieren auf Neufundland nicht sonderlich viel Arbeit darstellte, da es eigentlich nur eine Straße über die Insel gab, den Trans-Canada-Highway. Er musste also eigentlich nur der Nr. 1 folgen. Er fuhr wie eine besengte Sau und mich beschlich das Gefühl, dass er versuchen wollte noch heute nach St. John´s zu kommen… Das würde sich meiner Meinung nach schwierig gestalten, da es vom Fähranleger bis St. John´s 890 km waren. Ich wartete ab und hoffte, dass er alles im Griff hatte und uns kein Elch vor die Motorhaube springen würde. Nachdem vor vielen Jahren hier Elche angesiedelt wurden, haben diese sich explosionsartig vermehrt und Neufundland ist nun bekannt als das Land der Elche. Wer hätte das gedacht? Jedenfalls sind es so viele, dass sie offiziell bejagt werden dürfen, was die Gruppe der Jäger sehr erfreut. Wir sahen im weichenden Tageslicht etliche Fahrzeuge der Hunter am Straßenrand. Das, was ich noch im untergehenden Sonnenlicht erkennen konnte, ist Neufundland sehr schön. 



Ich würde sagen, eine Mischung aus Norwegen und Schottland. Als wir Channel-Port aux Basques passiert hatten, kamen wir direkt auf den Table Mountain zu. Wow, was für ein Anblick! Leider konnte ich nur einen Schnappschuss aus dem Bus machen, was natürlich eine mindere Bildqualität zur Folge hatte. Es folgten noch die Twin Mountains und dann wurde es wirklich dunkel. 


Einer der beiden Twin Mountains
Es kam aber zum Glück der Vollmond zum Vorschein und es war wolkenloser Himmel. Ein wahnsinnig magischer Anblick, der Table Mountain, nun von der anderen Seite, und der darüber stehende Mond, der ihn beleuchtete. Leider gelang mir kein Foto. Gill teilte mir mit, dass es wohl zu weit nach St. John´s wäre, was ich nur bejahen konnte. So wollte er wenigstens bis Corner Brook kommen, was mir wiederum sehr recht war, da ich es mir auf der Karte markiert hatte, da es dort irgendwas sehenswertes gab. Hatte aber in dem Moment vergessen, was es war… Würde ich schon raus finden. In Corner Brook irrten wir natürlich etwas herum, da wir keine Stadtkarte hatten. So klein ist Corner Brook nämlich nicht. Immerhin über 50000 Einwohner, laut Karte. Nachdem wir nun eine Stunde durch die Gegend gefahren waren, um eine Parkmöglichkeit für dieses Schiff zu finden, fanden wir zurück zur Mall, die wir schon beim Reinfahren gesehen hatten. Es war inzwischen halb zehn und ich hatte verdammt großen Hunger, was ich aber nicht sagte. Ich hatte auf der Fähre nur meinen letzten Apfel und den Zwieback gegessen. Hier an der Mall hatten wir einige Fast Food Restaurants zur Auswahl… Naja, besser als nichts. Wir fanden sogar, nachdem sich Gill endlich für einen Parkplatz entschieden hatte, ein kleines chinesisches Restaurant. Und die bediente uns um mittlerweile viertel vor zehn sogar noch. Obwohl sie um zehn Uhr normalerweise schließen. Hatte ein schlechtes Gewissen. Gill wollte bezahlen. Ich sagte, dass ich doch heute eigentlich gar nicht viel gearbeitet, sprich navigiert hatte, so dass ich mir das Essen heute eigentlich nicht verdient hatte. Ich bekam für meine Arbeit schließlich Essen und free accommadation. Egal, dann sollte er halt bezahlen. Ich aß eine Portion Bratnudeln, wonach ich pappsatt war. War eine Riesenportion gewesen. Wir gingen zurück zum Motorhome und Gill verabschiedete sich in sein Zimmer zum Lesen. Ich schrieb noch ein wenig für meinen Blog und haute mich bald zum Schlafen hin. Es war inzwischen auch schon halb zwölf. Und Gill wollte morgen um acht Uhr aufstehen. Nee, is klar, dachte ich nur. Das wollen wir ja mal sehen. Ich würde bestimmt um acht Uhr aufstehen. Wir parkten schließlich auf einem öffentlichen Parkplatz, was mir etwas Unbehagen bereitete. Ich schlief, nachdem ich auch noch ein paar Fotos gesichert hatte, schnell ein.